Weiß-blaue Sonderregelung für Tattoo – und Piercing-Studios in Bayern

Weiß-blaue Sonderregelung für Tattoo – und Piercing-Studios in Bayern

Am Dienstag den 23.03.2021 trafen wir uns mit einigen Oberpfälzer Tätowierern in Schwandorf am Wendelinplatz vor dem “Pixie’s Piercing-Studio”. In ganz Deutschland dürfen Tattoo-Studios wieder öffnen, nur in Bayern nicht. Und das, obwohl körpernahe Dienstleistungen mittlerweile eigentlich wieder erlaubt sind. Die Szene in der Region ist sauer – und fühlt sich vergessen.

Die Gemeinschafts-Aktion Oberpfälzer Tattoo – und Piercing-Studio Betreiber möchten unter dem Hashtag #wirwollenarbeiten auf den Ernst der Lage aufmerksam machen. Diese Aktion wurde von regionalen Tätowierer*innen und Piercer*innen ins Leben gerufen: Michael (Michl) Burger vom “The Old Barrel Tattoo” aus Maxhütte-Haidhof, Horst (Hotte) Heinlein vom “Crazy Stuff Tattoo” aus Fronberg, Thomas (Tom) Gerber vom „Tam Tam Studio“ aus Schwarzenfeld und Manuela (Manu) Opitz vom “Pixie’s Piercing-Studio” in Schwandorf.

“Wenn das so weiter geht, wird es für uns Tätowierer in der Oberpfalz ganz bald dunkel” macht sich “Hotte” vom “Crazy Stuff Tattoo” bei unserem Treffen Luft. Die Nächte sind schlaflos und die Taschen bald leer! Laufende Kosten wie Miete, Versicherungen etc. seien nach wie vor vorhanden, die 75% Zuschuss aus den Hilfsgeldern reichen bei weitem nicht um Essen und Miete zahlen zu können. Für viele Studio-Besitzer ist es nicht Fünf vor Zwölf sondern schon Fünf nach Zwölf.

Mitinitiatorin Manuela Opitz, hatte uns gebeten Ihr Anliegen und der von vielen Tätowierern aus der Region unter den Hashtag #wirwollenarbeiten Gehör zu verschaffen. Diesem Aufruf folgten wir gerne und hörten dabei so manch traurige und verzweifelte Geschichte. Auch in Schwandorf gibt es Tätowierer die mittlerweile die Reisleine gezogen haben und ihr Geschäft schließen mussten.

“Wir sitzen seit November daheim und möchten wieder arbeiten und wieder unseren Lebensunterhalt verdienen” klagt uns Piercer Johann vom „Hännes Piercing-Studio“ aus Schwarzenfeld. Bereits seit Mitte Januar machen deutsche Tätowierer auf ihre Lage mit einer bundesweiten Protestaktion aufmerksam. Mit dem Hashtag #ihrmachtunsnackt kreiden Gewerbetreibende und Selbstständige auf Instagram fehlende oder unvollständig überwiesene Beiträge aus dem November und Dezember an.

Seit dem 1. März durften dann wieder mittlerweile überall im Bundesgebiet Tattoo-Studios bei einem lokalen Corona-Inzidenzwert unter 100 öffnen – nur nicht in Bayern. Diese permanenten Doppelstandards bei der Umsetzung der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind wirklich nicht nachvollziehbar.

Es gibt keinen Grund für Ungleichbehandlungen gegenüber Kosmetikstudios, aber scheinbar sind Tätowierer für die Politik kein anerkannter Berufszweig, sondern gelten als etwas „Schmuddeliges“ und „Vernachlässigbares“. “Niemand kann erklären, was den Unterschied ausmacht zwischen einem Kosmetikstudio, das Permanent Make Up anbietet und einem Tattoo-Studio, das genau so über ein Hygienekonzept und entsprechende Erfahrung verfügt und wo der Kundenkontakt auch nicht länger dauert.“ erklärt uns Tätowierer Tom Gerber vom “Tam Tam Studio” aus Schwarzenfeld.

Darüber hinaus ist die nicht medizinische Gesichtspflege ebenso wie das Tätowieren reiner Luxus. Außerdem ist eine Corona-Infektion über eine Tattoo-Wunde sehr unwahrscheinlich. Die Landesanwaltschaft argumentiert damit, dass die Schließung von Tattoo-Studios ohnehin nur eine Minderheit treffe. Und deren Rechte werden offenbar geringer eingeschätzt als jene der Mehrheit.

Wir drücken Euch allen die Daumen und dass alles bald wieder öffnen darf und jeder wieder seiner “geregelten” Arbeit nachgehen darf.

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Facebook-Gruppe: Oberpfälzer Tätowierer & Piercer


Das Bild zeigt v.l.: Thomas Gerber vom „Tam Tam Studio“ aus Schwarzenfeld, Horst (Hotte) Heinlein vom “Crazy Stuff Tattoo“ aus Fronberg, Manuela (Manu) Opitz vom „Pixie’s Piercingstudio“ aus Schwandorf, Hans Bauer vom „Millenium-Studio“ aus Amberg, Johann (Hännes) vom „Hännes Piercing-Studio“ aus Schwarzenfeld und Julia vom „Millenium-Studio“ aus Amberg. Foto: Peter Mayer PUBLICMAGAZIN

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