Adeliger Besuch im Teublitzer Rathaus

Adeliger Besuch im Teublitzer Rathaus

Ute von Wehren, Ur-Ur-Enkelin des bayerischen Außenministers Friedrich August Freiherr von Gise, stattete Ersten Bürgermeister Thomas Beer im Teublitzer Rathaus einen Besuch ab.

Frau von Wehren, eine geborene Freiin von Gise, unternahm mit ihrem Gatten Hasso von Wehren, eine Urlaubsreise aus Niedersachsen nach Teublitz, um an ihre Familientraditionen anzuknüpfen. Im Rathaus präsentierte ihr Erster Bürgermeister Thomas Beer die Büste ihres berühmten Vorfahren. Ortsheimatpfleger Matthias Haberl, der sich seit seinem Studium mit der Geschichte der Familie beschäftigt, und Archivpfleger Dr. Thomas Barth führten sie anschließend noch in den Stadtpark, dessen Umgestaltung zum Landschaftsgarten durch Friedrich August Freiherr von Gise um 1825 abgeschlossen worden war. Der Pavillon beim Rathaus war bereits durch den Vater Gises, Konrad Ritter von Koch, erbaut worden. Im Anschluss daran folgte eine Besichtigung der Gruftkapelle in Saltendorf.

Durch von Wehren wurden dem Stadtarchiv Kopien zur Familiengeschichte und das Foto eines Miniatur-Porträts von Konrad Ritter von Koch, dem leiblichen Vater des späteren Außenministers, zur Verfügung gestellt. Von ihm war bisher keine Abbildung bekannt. Auch wenn die Zeit des Königreichs Bayern lange zurückliegt, unterstrich der Besuch des Ehepaares von Wehren, dass dieser Abschnitt der Teublitzer Geschichte immer noch von Bedeutung ist. Ein bedeutender bayerischer Politiker des Vormärz war schließlich Teublitzer.


Hintergründe und Geschichte der Familie von Gise

Bayerischer Außenminister? Viele Leser*innen dürften bei dieser Formulierung stutzig werden. Tatsächlich bestand aber im Königreich und auch noch nach dem Ersten Weltkrieg, im Freistaat Bayern ein eigenes Außenministerium. Erst mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 endete dieser bayerische Sonderweg. Auch wenn es sich bei diesem Ministerium ab der Reichsgründung 1870/71 oft nur noch nominell um ein Außenministerium handelte, blieb der Name erhalten, um die bayerische Eigenstaatlichkeit zu betonen. Dies unterstrichen auch eigenständige bayerische Vertretungen in wichtigen europäischen Hauptstädten wie Paris, Wien, Rom und St. Petersburg.

Am bedeutendsten war dieses Ministerium aber sicher in den Jahrzehnten der Eigenständigkeit Bayerns zwischen dem Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1870/71. Einer der langjährigsten Inhaber des Amtes in dieser Zeit, Friedrich August Freiherr von Gise (1783-1860), stammte sogar aus Teublitz. Geboren wurde er allerdings in Regensburg als Sohn des Reichstagsgesandten Konrad Ritter von Koch (1738-1821), der in Teublitz verstarb. Ein Onkel, Christoph Wilhelm von Koch, machte als Professor für Staatsrecht in Straßburg Karriere und unterrichtete unter anderem Johann Wolfgang von Goethe. Augusts späterer Nachname Gise ergab, da ihn – als Erwachsener – der kinderlose ehemalige pfalz-neuburgische Landschaftskommissar Carl Philipp Wilhelm Freiherr von Gise adoptierte. Neben dessen Titel erbte er dadurch auch die Güter Lutzmannstein und Allersburg.

Viele Mitglieder des diplomatischen Corps des Immerwährenden Reichstags in Regensburg suchten im 18. Jahrhundert den Kontakt zum pfalz-neuburgischen Landadel. Durch Kauf und Eheschließungen gelangten deshalb viele Hofmarken bzw. Landsassengüter in den Besitz von Reichstagsgesandten; so auch im Falle von Teublitz bzw. der Familien Koch und Gise. Friedrich August Freiherr von Gise erbte die Hofmark Teublitz durch seine (leibliche) Mutter, Friederike von Brandenstein (gest. 1845), da es sich bei ihrer Mutter um eine geborene Teuffel von Pirkensee handelte. Diese Familie besaß Teublitz seit 1616. August Freiherr von Gise machte im diplomatischen Dienst Bayerns während der napoleonischen Kriege rasch Karriere, erreichte die Ernennung zum Gesandten in den Niederlanden und später in St. Petersburg. 1832 wurde er durch König Ludwig I. zum Minister des Äußeren ernannt. Dieses Amt übte er 14 Jahre aus, ehe er 1846 durch den König entlassen wurde. Obwohl er 1860 in seinem Palais in München (Prannerstraße 9) verstarb, fand er seine letzte Ruhe in der Saltendorfer Gruftkapelle.


Das Bild zeigt: Ute von Wehren (li.) wurde von Erstem Bürgermeister Thomas Beer (re.) im Teublitzer Rathaus empfangen. Im Hintergrund ist die Büste des berühmten Vorfahren Friedrich August Freiherr von Gise zu sehen. Foto: Benjamin Fremmer

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